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Sula Zimmerberger

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Sula Zimmerberger blooming flowers forever

Sula Zimmerberger sagt uns schon im Titel ihrer Ausstellung, was es mit den wunderbaren Blumen, den Schönheitsprinzessinnen oder der Idylle mit der Südsee-Beauty auf sich hat. Ewige Blüte und Jugend, perfekte Körper und makellose Gesichter, letztlich Unsterblichkeit – das sind machtvolle Phantasien, die die westliche Kultur und ihre Kunst seit der Antike geprägt haben. Was aber im Mythos – wie wir wissen – allein den Göttern und Göttinnen vorbehalten war, das verspricht uns heute eine gigantische Industrie, deren großer Motor die Bilder sind. Erst mit der Erfindung neuer Medien, das heißt von der Fotografie angefangen, über den Film, das Fernsehen bis zu den digitalen Bildtechniken konnte sich die heutige alles beherrschende und endlos konsumierbare Bildproduktion entwickeln, die sich die Körper und die Dinge in einer ganz neuen Weise untertan gemacht hat.

Sula Zimmerberger weiß um die verführerische Macht der Bilder und sie weiß auch wie sie funktionieren, welchen Konstruktionen und Manipulationen sie sich verdanken. Hier liegt der Ansatz ihrer Kunst, ihren vordergründig faszinierenden Oberflächen – nicht ohne gespielte Naivität – eine kritische Unterseite zu verpassen.

Sula Zimmerberger hat bei Hubert Schmalix an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert, (einem „Meister“ der verknappten Figurendarstellung), und sie hat auch eine Ausbildung als Werbedesignerin, sicherlich auch ein wichtiger Aspekt für das Training ihres Blicks und die Methoden und Techniken, die sie anwendet.

Die Motive ihrer Kunst sind – wie schon angedeutet – die gängigen Bilder der Werbung, der Mode- und Kosmetikindustrie, des Films, der Fernseh-Soaps, der Medien schlechthin. Für ihre Blumen und Pflanzenbilder macht sie die Fotovorlagen oft auch selbst. Das heißt, dass ihre Arbeiten immer auf ein bereits vorhandenes Bild rekurrieren – das gilt auch für das selbst gemachte Foto; denn auch hier gibt es ein vorgefertigtes Stereotyp, das gewissermaßen von der Kamera schon vorgegeben ist – man braucht sich nur die Werbefotos ansehen, die die Fotoindustrie von Blumen anbietet, was ja dazu geführt hat, dass Blumen heute in Farben gezüchtet werden, die aussehen, als wären sie den Fotos entnommen.

Ihr Bildmaterial bearbeitet Zimmerberger dann im Computer, der bekanntlich durch immer neu ausgeklügelte Softwareprogramme die Werbeästhetik und zugleich das Grafikgewerbe in den letzten zwei Jahrzehnte auf den Kopf gestellt hat. Was mit der Erfindung der Fotografie – und zwar bereits von ihren ersten Anfängen in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts an – begonnen hat, nämlich, dass die Menschen deren Möglichkeiten zur Manipulation, zur Montage und Collage, zur Detailansicht, zur Vergrößerung und Verkleinerung, zur Serialität usw. genutzt haben, und: noch ein Einschub – ohne die Fotografie , den Film oder die Offsetdruckmaschine sind die radikalen Brüche, die die Moderne in der Kunst vollzogen hat, nicht denkbar – alle diese Verfahren und Techniken also haben die Alltagsästhetik und damit unsere Wahrnehmung so einschneidend verändert, dass uns die spezielle Art ihrer Künstlichkeit überhaupt nicht mehr bewusst ist, dass wir diese Bilder mehr oder weniger naturalisieren.

Sula Zimmerberger nimmt diese vorgefertigten Bilder auf und bearbeitet sie weiter.

Sie wählt die Ausschnitte, sie isoliert einzelne Motive durch Umrisslinien und einen flächigen, kontrastreichen und homogenen Farbauftrag und nimmt ihnen dadurch die Plastizität, lässt ihre Figuren tendenziell zum Ornament werden. Sie führt durch Vergrößerung oder Verkleinerung – Großaufnahmen im Film vergleichbar –Perspektiven ein, die den Gegenständen nicht nur in dem – absichtlich undefinierten – räumlichen Zusammenhang sondern auch symbolisch spezifische Bedeutungen verleihen.

Frauen und Blumen werden dann zu scheinbar gleichrangigen Mustern oder, wie hier zu einer Art Tapete, die den Raum dekoriert, – oder, an Stelle einer Tapete sollte man vielleicht der heutigen Technik entsprechend besser von einer Projektion sprechen, wie wir sie von Video-Beamern kennen.

Sula Zimmerberg hat diese die die gesamte Wand bedeckende Arbeit, die den Titel „Welcome im Salon der Beauty Rebellinnen“ hat, im heurigen Frühjahr an allen vier Wänden eines Biedermeier-Zimmers im Museum des Hofmobiliendepots gewissermaßen einmontiert und damit einen fast brutalen ästhetischen Clash zwischen heute und damals erzeugt, der nicht zuletzt auch etwas darüber sagt, wie unsere heutige Wahrnehmung auch die historischen Bilder verändert, die wir ja vielfach nur von Reproduktionen kennen. Cindy Sherman, die in einer ihrer Serien historische Gemälde nachstellt, wie sonst auch immer mit sich selbst als Protagonistin, zeigt uns genau das, nämlich die Trivialisierung der Wahrnehmung, die die moderne technische Reproduzierbarkeit der Bilder mit sich gebracht hat. Nicht zufällig taucht Cindy Sherman als flämische Madonna in einer von Sula Zimmerbergers Collagen wieder auf.

Sula Zimmerberger verschafft uns ja selbst ebenfalls einen kleinen Parcours durch die Kunstgeschichte, angefangen bei Gauguin, über den Jugendstil bis zur Popart, um nur einige ihre Referenzen zu nennen, zu denen natürlich auch das Comic gehört.

Sula Zimmerberger schärft also unseren Blick für die Codes, die eben nicht nur die Bilder betreffen, sondern über die Bilder auch unsere Körper in Beschlag nehmen. Sie schärft unseren Blick für die Konditionierungen, denen wir ständig ausgesetzt sind. Noch nie war eine Zeit so gnadenlos bei Abweichungen von so genannten Schönheitsidealen und die Menschen, und nicht nur die weiblichen, tun alles, um diesen Vorgaben gerecht zu werden. Ein medial unattraktiver Politiker hat, wie wir wissen, heute kein Chance mehr. Die Kontrolle, die wir damit ständig an uns selbst ausüben, wird uns als Lifestyle attraktiv gemacht. Mit Recht bezieht Zimmerberger auch Kinder in diesen Kontext ein, denn sie sind am empfänglichsten und zugleich am verletzlichsten gegenüber der Omnipotenz der Bilderindustrie und deren Effekten.

Silvia Eiblmayr

 

Biografie:

*1970 in Ried/Rdm., lebt und arbeitet in Wien.

1992 Werbedesignausbildung

1997- Akademie der bildenden Künste, Wien

2003 Malerei bei Prof. Hubert Schmalix, Diplom mit Auszeichnung

1999 Auslandsstipendium an der HfbK-Hamburg bei Prof. Werner Büttner

 

Ausstellungen/Beteiligungen

2013

„Sonne im Herzen“, Kleine Galerie, Wien

„DISPARAT – 9 performers meet again“, Projektraum für aktuelle Kunst und Performance, Basel

„You are a fine girl“, WUK, Wien

2012

„Best of Wiener Art Foundation“, Galerie Kunstbuero, Wien

„Weihnachtsausstellung in der Galerie Erlas“, Traunkirchen, OÖ

„Arbeiten auf Papier“, Kleine Galerie, Wien

„Und die Rechnung geht an Martin K.“, Immanence, Paris

“Montag ist erst übermorgen.” Junge Kunst auf Papier, xhibit, Wien
“Panorama”,Galerie Kunstforum Salzkammergut, Gmunden  

“Und die Rechnung geht an Martin K.”, flat1, Wien

„Win me or lose me“, Projektraum Lucas Cuturi, Wien

„Beauty Contest“, MUSA, Wien

2011

„MetaMart“, Künstlerhaus, Wien

„limelight“, flat1, Wien

„chessdrawings by Klaus Auderer & Robert Gfader“, Labor, Budapest

„The Magic Sexy Templeloch of Wonderspirit, Wonderloch Kellerland Berlin

„Grüße an Cindy S.“, Forum Schloss Wolkersdorf, Wolkersdorf

„Beauty Case“ gemeinsam mit Iv Toshain + Jane Doe, Wien

„Blumenschein“, Galerie Wolfrum, Wien

2010

„Kezz & Pezz“, Kunstverein Paradigma, Linz

„ArtmArt“, Künstlerhaus, Wien

“In the land of plenty”, Galerie Erlas, Traunkirchen

„Deep in the Green Lilac Park“, Galerie Studio 18, Wien

„Wir leben und arbeiten in Wien - Brighten the Corners“, Gallery AREA 53

 2009

“Berliner Fonds”, C4, Kunstraum, Berlin “I m sorry, angel”, flat1, Wien “Move in”,

flat1, Wien “Excuse me, are you famous?”, Invaliden1, Berlin

2008

„Tabu“, Kunstraum Z, NÖ

„Kopfschuss“, Galerie Wolfrum, Wien

„Hinter wilden Hecken“, Artist`s Space@LeMeridien, Wien

2007

„Und endlos erzählte sie...“, Hausgalerie Dr. Maier, Hamburg

“NACKT”, Galerie Wolfrum, Wien

“Let me tell about the birds and the bees....", Kunstverein Paradigma, Linz

„Pure Patterns”, Kunsthof, Wien

„Why the sky is blue“, (Einzelausstellung), ArchArt, Linz

2006

„Endstadion Vorstadt“, Heizhaus Stammersdorf, Wien

„3 Generationen - 3 Regionen. Künstlerinnen aus Wien - NÖ – Bgl.“, Burg Schlaining

2005

"New Romantics-New Retroversive Aesthetic Tendencies in Young Art 05", MOYA

“blooming flowers forever”, (Einzelausstellung), Galerie Zwach, Attersee

“Who is who and where are you”, Kaufhaus OSEI, Wien

„A room of my own“, Hofmobiliendepot, Wien

2004

„2-Raum-Installation“, Masc Foundation, Wien

„ich war im land der schokolade“, Wasserturm, Wien

„paper works“ – art position @ Kunstverein Baden

„art position 2004“, at Ottakringer Brauerei, Wien

“Electric Pink“, (Einzelausstellung) Sothebys, Wien

“KünstlerInnen agieren nach dem Tod von Seibane“, WUK, Wien

„That´s new“, IG Bildende Kunst, Wien

2003

„Weihnachtskunstdiskont“, IG BildendeKUNST, Wien

„kunst ab ... Weihnachtsausstellung“, Galerie d. Stadt Wels, Wels

„Träume ohne Ende“, (Einzelausstellung), Alte Schmiede, Wien

„Sehen, was wir sehen wollen“, (Einzelausstellung), Schloss Wedam, Murau

„Kunst Wien 2003“, MAK, Wien

„Rosa Rock”, Galerie Wolfrum, Wien

art position at Sotheby´s, at BM.I – Palais Modena, at Ottakringer Brauerei, Wien

„rupertsuit“ – we go grazy in our car!“, Galerie Vic, Glasgow, GB

„Ich sehe, was ich träume...“, (Einzelausstellung) Diplomausstellung, Atelierhaus d.

Akademie – Semperdepot, Wien

2002

„Kunst Wien 2002“, MAK, Wien

„surprise“, gemeinsam mit Birgit Knoechl, Galerie Art.a.t.o.m, Wien

„Flüchtig daheim“, Soho in Ottakring 2002, Wien

„Radikale Demokratie“, Tanzquartier , Wien

2001

„Kunst Wien 2001“, MAK, Wien

„sweet impassioned“, (Einzelausstellung), Galerie Plank, Wien

„au bordel“, Kunstprojekt im Hotel Burgenland, Wien

„Ein echter Österreicher“ – Ländlich und Urban, Soho in

Ottakring 2001, Wien

„In bester Lage“, MK Schmalix, Wien

2000

„blind date“, Junge Malerei, Atelierhaus der Akademie – Semperdepot, Wien

„daily specials“, Atelierhaus der Akademie - Semperdepot

„unbounded“, Schikaneder, Wien

1999

Ausstellung im Atelierhaus – Semperdepot, Wien

„Dialog mit Thomas Ender“, Mk Schmalix, Kupferstichkabinett, Wien

„young line 2nd- moving workroom“ , Galerie Station 3, Wien

1998

„Hier und Jetzt“, Mk Schmalix, Kupferstichkabinett, Wien

Akademieschlussausstellung, Atelierhaus - Semperdepot, Wien

„Tiergarten“, Haus Wittgenstein, Wien

 

Kunstauktionen

2012 „Kunstwerke für´s Leben“ – Caritas, Dorotheum, Wien

„Kunstauktion neunerHaus“, MAK, Wien

„ICEP“, Aula der Wissenschaften, Wien

2011 „ICEP“, Aula der Wissenschaften, Wien

„Kunst Asyl“, Nestroyhof, Wien

„Kunstauktion neunerHaus“, Wien

2010 „Kunst Asyl“, Nestroyhof, Wien

„Kunstauktion neunerHaus“, MAK, Wien

„ICEP Auktion“, Lepold Museum, Wien

2007 „Kunst für die Friedensflotte“, Wien

2005 „Kunst Asyl – Collectors´Choice”, Semperdepot, Wien

2004 „Charity Auktion – Autistenhilfe“, Palais Harrach, Wien

„SOS Mitmensch“- Kunstauktion, Dorotheum, Wien

„auktion akunst“, Dorotheum, Wien

2002 „Kunstauktion - Ärzte ohne Grenzen“, Secession, Wien

 

Ankäufe

2012 Stadt Wien MA7

2009 BA-CA Sammlung

2006 Land Oberösterreich

2004 Gesellschaft der Freunde der bildenden Künste

2003 Innenministerium

2003 Kupferstichkabinett

2001 Stadt Wien MA 7

 

Publikationen

2004 electric pink, Sula Zimmerberger

2003 Superpages 03

art position-Katalog 03

Jahreskatalog, Akademie der bildenden Künste Wien (ed.) Wien, 2003

2002 Superpages; Hochsaison

2001 Bürohaus

2000 Daily Specials

 

Atelier:

Neubaugasse 57/30

1070 Wien

mail: sula.zimmerberger@chello.at,

http://www.sulazimmerberger.com