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Sein Biograf Kurt P. über Kurt Philipp

(Bilder für Vergrößerungen bitte anklicken)

Geboren am 11. Juli 1928 in Wien.
Zeichnet und malt seit seiner frühen Kindheit.

1936 - 1938 Straßenmalereien mit Farbkreide auf dem Boden der Muhrengasse vor dem Wohnhaus in Favoriten. Gesamtgröße der Malerei zirka 500 qm. Bis zum nächsten Regen bestaunt, nachher verschwunden.

1943 - 1947 Schriftstellerische Tätigkeit.

1947 - 1957 Jazzmusiker neben dem erlernten Beruf als Chemigraph.

1956 - 1958 Künstlerische Volkshochschule (abstrakte Kunst, Keramik). Erstes erhaltenes Ölbild (New York) in der Favoritner Volkshochschule nach einer großen Ausstellung von Ölbildern und Monotypien.

1968 Serie der Monotypien in einer selbst erarbeiteten Technik.

1972 - 1975 Kunstgalerie in Wien mit Reproanstalt. Erste großformatige Zeichnungen, nach einigen Jahren auch Aquarelle und Gouachen. Zweimal Vernichtung von großen Teilen des malerischen Werkes, besonders der Frühwerke vor 1960 (Ölbilder, sämtliche Hinterglasmalereien und radierte Platten).

ab 1989 Intensive Kontakte mit C. Absolon und Vertrag für das malerische Werk in Öl mit einer namhaften Kunstgalerie. Beschäftigung mit der Thematik "Vincent lebt". Entstehung von teils humorvollen, teils erschütternden, teils nachdenklichen Bildern vor allem über van Gogh selbst. Philipp zeichnet auf weißgrundiertem Packpapier mit Bleistift, auch mit der linken Hand oder beiden zugleich, mit Bleistiftbündeln, Bleistiften verschiedenen Grades. Motive aus der Erinnerung oder Abwandlungen von Vorlagen, Fotos, Zeitungsbildern, Skizzen nach der Natur oder Veränderungen nach Bildern anderer Maler. Die Ölbilder behandeln größtenteils Stadtlandschaften in einer Spachteltechnik, in der die Farbe der Ausdrucksträger des Inhaltes ist.    

Einzelausstellungen seit 1999  

  • 2008 kleine galerie, Wien – „Retrospektive Lebenswerk“
  • 2007 Galerie Artmark, Bad Aussee/Steiermark - "Urbane Landschaft" Jazzfestival Kulturstadl Essling, Wien - "Aquarelle"
  • 2006 Kleine Galerie, Wien - "Monotypien 1964 - 1972" Kulturzentrum Solvay, Krakau/Polen
  • 2005 Galerie Passage, Iwonicz droj/Polen
  • 2004 Galerie 7, Eisenstadt - "Retrospektive" Altstadtgalerie, Hall/Tirol Galerie Maegle, Wien - "Städte und Landschaften entlang der Donau"
  • 2003 Kleine Galerie, Wien - "Kurt Philipp - Erst 75" 2002 SPÖ-Sektion Laaerberg, Wien
  • 2001 Galerie art decorative, Wien Galerie art et cadre, Fribourg/Schweiz
  • 2000 Galerie Altbau, Sammlung Mag. Scheutz, Linz - "Me and my shadow" Galerie Maegle, Wien - "Weltbilder" Kunstbuch - "Weltbilder" (Edition artCo)
  • 1999 Galerie art contact, Wien - "Manie des Alltags" Galerie Lehner, Linz

Dieter Schrage  

BILDER DES ABSURDEN
Anmerkungen zu den Arbeiten von Kurt Philipp  

Ich hatte Kurt Philipp als Maler stark farbiger, expressiv gespachtelter Städtebilder aus den 70er Jahren in guter Erinnerung. Bevorzugte Gegend Favoriten. Und ich wusste, dass er – was bei seiner Malweise nahe liegend ist – eine besondere Affinität zu Vincent van Gogh hat.  

Überrascht über die Breite und auch Dichte seines malerischen und graphischen Spektrums war ich, als mir Kurt Philipp etwa 20 Jahre später einige umfangreiche Photomappen (und auch einige Originale) zu seinem Oeuvre zeigte. Sicher fand ich dabei die für mich typischen Philipp-Bilder wieder, die heftigsten Farb-Getümmel und die Vorstadt-Motive. Darüber hinaus aber auch viel für mich Unbekanntes, Überraschendes. Beispielsweise Philipps facettenreiche Selbstporträts, seine Nähe zur Art Brut und teilweise auch zum Surrealismus. Und dann die zahlreichen Hommagen und Paraphrasen zur Kunst – und Literaturgeschichte. Insgesamt ein äußerst vielfältiges und vor allem viel-(tief-) schichtiges Werk aus den Jahren 1972 bis 1995.  

Vorstadt-Expressionen
Mir zunächst vertraut die Stadtrand-Bilder aus Favoriten und Simmering, wie die abstrahierende, mit einem ausdrucksstarken graphischen Strich gearbeitete und Hell-Dunkel-Kontraste kultivierende „Triesterstraße“ (1973) oder der leicht gespenstische „Wasserturm mit Schatten“ (1981)… „E-Werk Simmering“ (1973). Expressiv niedergeschrieben. Kurt Philipps Vorliebe für das Außenseiterische, Vergängliche, Schattenhafte… 

„Me and my shadow“
Bei den Schwarz-Weiß-Grafiken zeichnet sich auch schon ein zentrales Thema im Schaffen von Kurt Philipp ab: das Selbstbildnis. Ab 1979 gibt es ganze Serien von „Me and my shadow“. Dieses „Me and my shadow“ dürfte die durchgehende Konstellation aller zeichnerischen und malerischen Selbstdarstellungen bis in die heutigen Tage sein, wobei die Schatten wechseln, von dem frühen „Selbstbildnis mit transplantierter Ratte“ (1974) bis zu den  Farb- und Selbstbespiegelungs-Orgien der 90er Jahre. Im Schaffen von Kurt Philipp gibt es viele als Selbstporträts bezeichnete Arbeiten, ich vermute aber, dass fast alle seine „Köpfe und Körper“ Selbstdarstellungen sind.  

Hommagen und Paraphrasen
Früh begannen auch die Hommagen und Paraphrasen zur Kunst – und Literaturgeschichte. Allein das Aufzählen einiger Titel gibt einen guten Einblick in das Schaffen des Künstlers: „Selbst als Edgar Allen P.“ (1981), „Nietzsche – wo?“ (1992), „Franz K. mit 41 Jahren“ (1991) ……. Aufschlussreich die Hommage á Louis Soutter“ (1995), dem asylierten Schweizer Künstler; diese Hommage signalisiert Nähe zur Art Brut, dieser ausdruckstarken, eigenwilligen Kunst gesellschaftlicher Außenseiter, ebenso wie die „Hommage á Antonin Artaud“ (1992) eine Nähe zum Surrealismus aufzeigt... Nirgends ist der Maler und Grafiker Kurt Philipp so sehr Kurt Philipp wie bei seinen van Gogh-Arbeiten. Beispielsweise in dem Bild „Auf dem Weg nach Tarascon“ (1989) tritt seine ganze absurde, teils ironische, teils sarkastische Weltsicht deutlichst zu Tage…  

Die Tat des Mori
Ein weiteres Schlüsselwerk: „Die Tat des Mori“ (1989). Aufschlussreich für die Kunstauffassung und Bildsprache des Künstlers. Für ihn sind es erzählende Bilder, vergleichbar mit den Darbietungen der Moritatensänger (Aha! Ein Wortspiel der Titel …). Und für Kurt Philipp sind seine Bilder „Teilzeitbilder“. Die Betrachtenden benötigen eine gewisse Zeit, um Teile des Bildes aufzunehmen. Dem Stil der narrativen Lesebilder entsprechend entnimmt Kurt Philipp auch manche Anregungen den Massenmedien, was sich dann in Bildern wie „Nude – Miss World“ (1987) oder „M.M. Unähnlich“ (1991) niederschlägt.  

Provisorisches Resümee
Suche ich nach einem Zentrum im Schaffen dieses Künstlers, der ungleich mehr ist als ein Maler der Vorstadt, so zeigt sich deutlich und facettenreich: es sind Bilder – auch in ihrer Machart – der Gefährdung und Absurdität der menschlichen Existenz – die Natur und die Landschaft mit eingeschlossen.